Im Mittelalter, ca. 1500 - 1600, zur Zeit der Raubzüge und Religionskriege gab es unter den Bauern noch Leibeigene der Fürsten und Ritter. Auch damals mussten sie sich, gewollt oder ungewollt einer gewissen "Wehrpflicht" ihrer Herren unterwerfen. Bei den Kriegen und Fehden gegen andere Fürsten und Eindringlinge mussten alle Kampffähigen Männer mit Schwert und Degen ins Feld ziehen. Die eigenen Dörfer wurden während dieser Zeit gegen evtl. Angriffe von den Frauen, den Kindern und den alten, nicht mehr kriegstauglichen Männern verteidigt. Die wichtigste Aufgabe bestand darin, die eigene Kirche und den Glauben zu verteidigen.
So kam es, dass sich bei bestimmten Fehden die Verteidigungskräfte verschiedener Orte und Ansiedlungen gemeinsam gegen die Angreifer zur Wehr setzten. Man verbrüderte sich untereinander und gewann hierdurch an Stärke und Schlagkraft. Nach der Rückkehr der für ihren Lehnsherren ins Feld gezogenen Männer wurde das Wiedersehen in den Dörfern gefeiert. Schon damals wurden sportliche Zielwettkämpfe mit Pfeil und Bogen, mit Armbrüsten, Speeren und später auch mit Vorderladergewehren durchgeführt und anschließend ausgelassen gefeiert.
Gemeinsam wurde der Glaube bekannt und zum Wohl der Heimat althergebrachte Gebräuche und Sitten gepflegt. Die so entstandenen Bruderschaften haben ihre Tradition durch die Jahrhunderte fortgesetzt. Bis heute sind die Schützen ihren Idealen "Bekenntnis zum Glauben, Aufrechterhaltung von guten Sitten und Gebräuchen und der Liebe zu ihrer Heimat" treu geblieben. Auch heute gibt es noch vielfältige Aufgaben zur Pflege der Tradition und zum Wohle der Gemeinschaft. Zwar müssen sich die Schützen heute nicht mehr zu Feldzügen aufmachen; aber Sitte und Tradition haben Fortbestand. Mit der Feder am Hut, dem Degen am Gürtel und die Fahne voran, ziehen die Schützen in friedlicher Absicht durch die Straßen, verbreiten Frohsinn und bilden Freundschaften mit anderen Schützenbrüdern. Auch die Jugend ist heute noch begeistert von der sich breit machenden guten Laune und marschiert gerne bei den Umzügen und den Festen der Bruderschaft mit. Zum Schützenfest kommen verzogene, ehemalige Dorfbewohner regelmäßig "nach Hause", um ihrer alten Heimat und den Schützenbrüdern die Ehre zu erweisen.
Als Schuljungen erlebt und von den Vätern, Großvätern oder Nachbarn gehört, die sich am Sonntagnachmittag vor den Häusern trafen.
Auf den Hausbänken sitzend, lange Pfeifen rauchend, wurden Erlebnisse und Dönekes erzählt. Manchmal wurde auch etwas übertrieben. Das Schützenfest als Fest des Jahres gab immer wieder Gesprächsstoff. Vor und um die Jahrhundertwende wurde das Schützenfest auf dem Hof-Vielberg-Herting gefeiert. Der Hof stand zwischen Brunnberg und Kötter, heute Kettler. Herting und Kettler sind 1926 an einem Tage abgebrannt. Der Hof Herting wurde an seinem Standort nicht wieder aufgebaut. Der Kreis Soest hat das Grundstück gekauft, um die Dorfstraße neu zu führen. Das Schützenfest begann am Samstagabend. Der "alter Herting" hatte das Fest vorzubereiten. Schon drei Stunden vorher standen Bier und Schnaps bereit; alles von ihm geprüft und probiert. Die Haus- und Scheunendeelen waren mit dem Reisigbesen blank gefegt. Wenn die Musik eintraf und die Schützenbrüder sich eingefunden hatten, rief der alte Herting: "Et iss alles proot, et kann loss chon!" (Es ist alles fertig, wir können anfangen.) Die Musik musste zuerst mit Pauken und Trompeten über die groß Hausdeele, Küche, Futterdeele und Scheune ziehen. Mitten auf dem Hof stand der alte Herting und mit Freude verkündete er: "Säo, dat hasset de Ratten und Muise, niu trecket se iut!" (So, das hassen die Ratten und Mäuse, jetzt ziehen sie aus.) Auf der großen Scheunendeele wurde getanzt und gefeiert. Damals wurde noch fast mehr Schnaps als Bier getrunken. Einmal, so heißt es, sei überhaupt keine Musik gekommen. Das hat die alten Schützenbrüder aber nicht in Verlegenheit gebracht. Schnell wurden Mundharmonikas, Flöten und alles was Krach machte, herbeigeholt und zum Tanz aufgespielt. Die Stimmung soll so bombig gewesen sein, so dass der Schnaps- und Bierumsatz Rekordhöhen erreicht hätte.
Die Dokumente und alten Unterlagen der Schützenbruderschaft St. Marien Waltringen 1690 e.V. sind durch Kriegseinwirkungen in den Jahren 1914 - 1918 und durch Feuer zerstört worden. Die Protokollbücher sind ab dem 27. Juni 1924 vorhanden. Nach den alten Unterlagen, so heißt es hier, sei die Schützenbruderschaft bis zum Jahre 1690 nachzuweisen gewesen. In einer alten Urkunde von 1693, gefunden in Kirchenarchiv der Pfarrkirche Bremen, wird die Schützenbruderschaft bereits genannt. Die Abschrift dieser Urkunde ist an anderer Stelle in diesem Heft - im Zusammenhang mit der Geschichte der Kapelle Waltringen - zu finden.
1850 Eintragung ins Preußische Vereinsregister, Urkunde vorhanden.
Die Schützenbruderschaft feierte bis um die Jahrhundertwende das Schützenfest auf den Bauernhöfen. Vor dem ersten Weltkrieg schaffte man ein eigenes Tanzzelt an. 1914 musste man die Zeltplane für Kriegszwecke abgeben. Nach dem 1. Weltkrieg - bis zum Jahre 1928 - wurde ein Zelt ausgeliehen. 1928 wurde von jedem Schützenbruder eine Umlage von RM 6,- erhoben und ein neues, eigenes Zelt gekauft. Das Aufbauen des Zeltes und der Ausschank wurden lt. Protokollbuch jedes Jahr neu vergeben. Das Zelt wurde auch an benachbarte Vereine gegen Miete verliehen. Bis 1933 wurden alle Schützenbruderschaften im Deutschen Schützenverband geführt und damit auch Mitglied des NS-Reichsbundes für Leibesübungen. Man durfte sich nur Schützenverein nennen und wurde als militärähnliche Organisation betrachtet. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches im Jahre 1945 übernahm man wieder die alte demokratische Form und führt seitdem den Namen "St. Marien Schützenbruderschaft Waltringen 1690 e.V.". Eine neue Satzung wurde erstellt, in Gemeinnützigkeit sind Wesen und Aufgaben der Schützenbruderschaft:
Bekenntnis des Glaubens
Schutz der Sitte und
Liebe zur Heimat.
Im Jahre 1963 beschloss die Bruderschaft unter Brudermeister Friedrich Schulte, eine Halle zu bauen. Die Planung und die Bauleitung übernahm das neue Vorstandsmitglied Heinz Severin. Als "Motor" vorneweg und unter Mithilfe aller Vorstandskollegen und vieler Schützenbrüder organisierte Heinz Severin den Bau der Schützenhalle, welche am 29.06.1963 feierlich eingeweiht wurde. 1975 wurden die alten Holzschuppen abgerissen und eine Trinkhalle mit neuen Toiletten zwischen Schützenhalle und Vereinshaus neu aufgebaut.
So wie es in der Historie war, so stehen wir Schützenbrüder auch heute noch aktiv für unseren Glauben ein. Unsere Bruderschaft trägt den Namen der Jungfrau und Gottesmutter Maria. Zu ihrer Ehre und im Namen des Herrn fühlen wir uns der Marienkapelle zu Waltringen verpflichtet und nehmen im kirchlichen Bereich an allen Festen, Prozessionen und Feiern der Pfarrgemeinde St. Lambertus teil. Wir unterstützen regelmäßig und gerne die Ausbildung von Neupriestern. Alljährlich zum Schützenfest gedenken wir am Ehrenmal der verstorbenen und verschollenen Mitglieder unserer Bruderschaft. Unseren verstorbenen Mitgliedern geben wir das letzte Geleit mit einer Vorstandsabordnung und der Fahne.
Auch heute gibt es noch vielfältige Aufgaben zur Pflege der Tradition und zum Wohle der Gemeinschaft. Zwar müssen sich die Schützen heute nicht mehr zu Feldzügen aufmachen; aber Sitte und Tradition haben Fortbestand. Mit der Feder am Hut, den Degen am Gürtel und die Fahne voran ziehen die Schützen in friedlicher Absicht durch die Straßen und verbreiten Frohsinn und bilden Freundschaften mit anderen Schützenbrüdern. Auch die Jugend ist heute noch begeistert von der sich breit machenden guten Laune und marschiert gerne bei den Umzügen und den Festen der Bruderschaft mit. Zum Schützenfest kommen verzogene, ehemalige Dorfbewohner regelmäßig "nach Hause" um ihrer alten Heimat und den Schützenbrüdern die Ehre zu erweisen.
Seniorennachmittag der Schützen ab 15.00 Uhr in der Schützenhalle Waltringen